Starkregenereignisse im Juli 2021

Reaktion des BMBF Projektes ClimXtreme zu den Starkregenereignissen im Juli 2021 in NRW/RLP/Maas-Gebiet

» Offizielle Stellungnahme des Projektes climXtreme zu den Starkniederschlägen

Mehrfache extreme Hitzeperioden in Mitteleuropa, langandauernde Dürren, riesige Waldbrände im Mittelmeerraum, vor allem aber die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, haben die Frage nach der Rolle des Klimawandels auf solche Extremwetterereignisse zu einem äußerst brisanten Thema für Gesellschaft und Politik ins Bewusstsein gerückt. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie hat mit seiner Fördermaßnahme „Klimawandel und Extreme“ (ClimXtreme) bereits vor 3 Jahren einen neuen Forschungsschwerpunkt initiiert, der die grundlegenden offenen Fragen in den Fokus stellt: „Hat der Klimawandel in der Vergangenheit zu extremeren Wetterereignissen geführt?“ und „Wird der zukünftige Klimawandel das Auftreten extremer Wetterereignisse verändern?“. Das Ziel ist eine belastbare wissenschaftliche Basis für die entsprechenden Antworten zu Starkregenereignissen, Hitzewellen, Dürren, Windsturm und Hagel zu erarbeiten. Die Kernfragen werden im Projekt aus vier Richtungen angegangen:

  1. Meteorologische Extremereignisse entstehen aus bestimmten Abläufen physikalischer Prozesse im komplexen Klimasystem. Nur die Erforschung solcher Prozesse, deren Variabilität und Veränderungen im Klimawandel kann Ursachen und Wirkungen aufdecken und Vertrauen in die Ergebnisse von Klimasimulationen für die Zukunft bestärken.
  2. Extremereignisse sind immer seltene Ereignisse. Damit ist es besonders schwer, systematische Veränderungen in ihrer Stärke und Häufigkeit statistisch nachzuweisen. Die dafür nötigen mathematischen Ansätze werden neu- bzw. weiterentwickelt und auf alle verfügbaren Daten in besonders hoher Raum-Zeitauflösung angewandt.
  3. Die Schäden durch Extremereignisse für Natur, Mensch und Sachwerte hängen oft davon ab, welche Abfolgen (z.B. Sturm-Serien oder Starkregen nach Dürrefolgen im Boden), oder welche Wetterfaktoren gemeinsam aufgetreten sind. Diese Kombinationen und ihre Veränderungen im Klimawandel werden zusätzlich zu der Veränderung der meteorologischen Extremereignisse selbst untersucht.
  4. Diese Forschungsarbeiten erfordern den Aufbau einer Datenbasis, die sowohl alle historischen Schadensereignisse sowie beobachtete und in Computermodellen berechnete Wetter und Klimadaten enthält, und für vielfältige Nutzergruppen einen einfachen Zugang erlaubt – aktuell in ClimXtreme und in Zukunft.

Die Einschätzung der Bedeutung des Klimawandels für einzelne Extremereignisse, die sogenannte Attributionsforschung („Zuordnungsforschung“), ist eines der ebenfalls aufgegriffenen Forschungsfelder in ClimXtreme. Im Nachgang zu den Überschwemmungen vom Juli 2021 wurde bereits die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des „World Weather Attribution Teams“ zu diesem Ereignis von Mitarbeitenden eines ClimXtreme Teilprojekts koordiniert. Die daraus entstandene Studie kam u.a. zu der Schlussfolgerung, dass die Wahrscheinlichkeit von derart extremen Regenfällen in der betrachteten Region durch den Klimawandel um das 1,2- bis 9-Fache erhöht war. Die folgende umfangreiche nationale und internationale Berichterstattung hat das hohe öffentliche und politische Interesse an zeitnahen Auswertungen bei solchen Ereignissen deutlich gemacht. Es ist unsere Anliegen, bei zukünftigen meteorologischen Extremereignissen kurzfristig zusätzliche wissenschaftliche Aussagen gebündelt zu veröffentlichen.

ClimXtreme greift mit seinen vorausschauenden Zielen und Forschungsschwerpunkten hochaktuell die aktuellen Extremereignisse und ihre Änderung im Klimawandel auf. Die gewonnenen Erkenntnisse stellen eine zentrale Grundlage für die Konzeption von zukünftig notwendigen Anpassungsmaßnahmen und ihre Dimensionierung dar. Die ClimXtreme Forschung ist  somit ein wichtiges Element der Forschung für Nachhaltigkeit in Deutschland.

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